Ich merke schnell: Der Name Vauban begegnet mir in Luxemburg auf Schritt und Tritt. Er steht nicht nur für ein Kunstmuseum im Stadtpark oder Türme im Stadtteil Pfaffenthal, sondern für ein ganzes Stadtbild, das von Geschichte durchzogen ist – sichtbar, begehbar, präsent. Sébastien Le Prestre de Vauban (1633–1707), der bedeutendste französische Festungsbaumeister unter Ludwig XIV., wurde bereits mit 22 Jahren zum Militäringenieur ernannt. Im Laufe seines Lebens entwarf oder erweiterte er mehr als 160 Festungsanlagen. 1684 war er an der Belagerung Luxemburgs beteiligt. In den Jahren danach leitete er den Wiederaufbau der Stadt und formte sie zu einem der stärksten Bollwerke Europas – dem später sogenannten „Gibraltar des Nordens“.



Was er zwischen 1685 und 1688 an Forts, Redouten und Kasernen hinterließ, prägt Luxemburg bis heute, obwohl die Festung ab 1867 weitgehend geschleift wurde. Teile dieser Anlagen wurden gemeinsam mit der Altstadt 1994 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Ich folge diesen Spuren durch die Stadt – und stoße immer wieder auf Schichten dieser Vergangenheit. Besonders in Pfaffenthal, der alten Unterstadt, wirkt Luxemburg ursprünglich, fast ungeschönt. Von den Höhen darüber öffnet sich immer wieder der Blick auf die Stadt, besonders eindrucksvoll von der Corniche, die nicht ohne Grund als „schönster Balkon Europas“ bezeichnet wird. Bis 1870 war sie an steilen Abschnitten noch mit Treppen versehen, erst nach der Schleifung der Festung wurden diese Bereiche begradigt.






Mitten in der Fußgängerzone liegt der Place d’Armes – umgeben von Cafés und Restaurants, belebt und doch gelassen. Konzerte und Märkte ziehen hier täglich Menschen an, der Platz gilt als Treffpunkt der Stadt. Im Volksmund heißt er „Salon der Stadt“ – und genau so wirkt er auch, als ich an einem Sonntagmorgen dem Konzert lausche. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich der großherzogliche Palast, die Residenz der großherzoglichen Familie. An seiner Stelle stand einst das erste Rathaus Luxemburgs, dessen Geschichte bis ins Jahr 1418 zurückreicht. Die Kathedrale Notre-Dame, ursprünglich als Jesuitenkirche geplant, wurde 1613 begonnen. Sie ist ein beeindruckendes Beispiel der Spätgotik, zugleich aber durch zahlreiche Renaissance-Elemente geprägt, die sich in ihrer Ausstattung wiederfinden. Luxemburg war übrigens einmal die Stadt der Rosen: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Stadt für seine Rosenzucht bekannt. Tausende von Sorten, darunter viele eigene Züchtungen, wurden in die ganze Welt exportiert.


Belval: Vom Hochofen zur Hochschulstadt
Im Süden des Landes verändert sich das Bild radikal. In Esch-sur-Alzette liegt Belval – einst Zentrum der Eisenindustrie. Zwischen 1909 und 1913 wurde hier das Eisenerz in gewaltigen Hochöfen geschmolzen und zu Stahl verarbeitet. Mehr als 3.000 Menschen arbeiteten in der Eisenhütte, die Region erlebte einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Etwa 50 Jahre später wurden die alten Hochöfen ersetzt: A bis C entstanden. Doch auch diese Ära ging zu Ende – A und B wurden stillgelegt, Hochofen C demontiert und nach China verkauft. Danach entschied der Staat, das Gelände neu zu denken. Mit dem Fonds Belval begann der Umbau zu einem Standort für Wissenschaft, Forschung und Innovation, ein kleiner Teil ist Produktion geblieben. Im Jahr 2006 entstand durch die Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel der heutige Konzern ArcelorMittal, der den Produktionsstandort in Belval bis heute weiterbetreibt und beispielsweise 30 % der Weltproduktion an Spuntwänden abdeckt. Die Stahlprofile des Unternehmens sind beispielsweise im Burj Khalifa in Dubai verbaut, im Eiffelturm in Paris, im One World Trade Center New York, im Wembley Stadtion und in der Oresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden. Heute stehe ich im Herzen dieses neuen Stadtviertels, wo der Campus der Universität Luxemburg entstanden ist. Guide Alex Welter führt mich durch die imposanten Überreste der Industriegeschichte. Die beiden erhaltenen Hochöfen stehen wie Monumente zwischen moderner Architektur – ein bewusster Kontrast, in dem sich auch Banken und neue Stadtstrukturen angesiedelt haben. Die Universität selbst zählt rund 4.700 Studierende aus 114 Nationen. Rundherum entstehen Einkaufs- und Freizeitangebote, ein neuer Bahnhof verbindet das Viertel direkt mit der Region. Veranstaltungen wie das „Hochofenfest“ ziehen jährlich etwa 20.000 Besucher an, dazu kommen regelmäßige Nachtführungen. Belval bleibt im Wandel: Geplant sind rund 7.000 Einwohner sowie etwa 20.000 Arbeits-, Forschungs- und Studienplätze. Das Viertel gilt längst als europäisches Beispiel dafür, wie aus Industriegeschichte neue Stadtidentität entstehen kann.



Schloss Vianden: Über dem Tal schwebend
Die Fahrt mit der Seilbahn wirkt fast märchenhaft. Über das Our-Tal schwebe ich hinauf auf rund 440 Meter Höhe – direkt auf eine Anhöhe mit freiem Blick auf Schloss Vianden, deren Ursprünge in Romanik und Gotik liegen. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert wurde die Anlage auf den Fundamenten eines römischen Kastells und eines karolingischen Refugiums errichtet. 1820 begann ihr Verfall, nachdem sie unter Wilhelm I. von Oranien-Nassau verkauft und in Einzelteile zerlegt wurde. Erst 1890 kam neues Leben in die Ruine, als sie in den Besitz von Großherzog Adolphe von Nassau überging. Bis 1977 blieb sie in der großherzoglichen Familie, danach ging sie an den luxemburgischen Staat über. Seither wird sie restauriert und behutsam wiederhergestellt. Heute zählt Schloss Vianden zu den bedeutendsten Baudenkmälern Europas.




Kultur auch bei Regen
Selbst wenn das Wetter umschlägt, bleibt Luxemburg abwechslungsreich. Im City Museum tauche ich in über 1.000 Jahre Stadtgeschichte ein, zugleich befindet sich hier das UNESCO Visitor Center. Das Museum ist in ein Ensemble aus vier historischen Adels- und Bürgerhäusern eingebettet. In der Villa Vauban begegnet mir klassische Kunst, vor allem niederländische Malerei und weitere Sammlungen, während das Mudam den Gegenpol bildet – ein Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Die Kasematten Luxemburg zeigen den Besuchern sind ein riesiges unterirdisches Verteidigungssystem. Erstmals 1644 unter spanischer Herkunft angelegt, wurden sie später durch den Festungsbauer Vauban bzw. unter Österreichischer Herrschaft erweitert. Die Kasematten sind seit 1994 Teil des UNESCO Welterbes zusammen mit der Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.




TripTipps:
Flug mit Luxair von vielen deutschen Städten aus. Übrigens gibt es hier noch kostenfreies Baguette und Getränke an Bord.
Flughafen liegt in Stadtnähe, die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist im ganzen Land kostenfrei!
Hotel: Mama Shelter mit cooler Rooftop Bar
Restaurants: Chiche! dahinter steht ein Projekt für Integration und sozialen Zusammenhalt: Flüchtlinge und Migranten schwingen hier den Kochlöffel und bringen ganz wunderbare Kreationen auf den Teller.
In der Fußgängerzone z.B. ‚Um Dierfgen‘ mit luxemburgischer Küche und ‚Häerz‘, sehr trendig. Motto: Sehen und gesehen werden. Mitten in der Fußgängerzone.

Wandern im Müllerthal
Die Region Müllerthal ist ein einzigartiges, von Sandsteinfelsen geprägtes Naturbiotop, dessen charakteristische Landschaft über Jahrtausende durch Erosion geformt wurde. Dieses geologische Erbe ist so besonders, dass hier 2016 der Natur- und Geopark Mëllerdall gegründet und 2022 in das UNESCO-Netzwerk der Global Geoparks aufgenommen wurde. Die „Kleine Luxemburger Schweiz“ zählt heute zu den beliebtesten Naturzielen des Landes.
Der Mullerthal Trail führt auf rund 112 Kilometern durch eine abwechslungsreiche Hügel- und Felsenlandschaft. Markante Felsformationen tragen volkstümliche Namen wie Piteschkummer, Geierslee oder Huellee. Neben dem Haupttrail bietet die Region ein dichtes Netz gut ausgebauter Wanderwege mit ebenso eindrucksvollen Ausblicken auf Wiesen, Wälder und Felsformationen.
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