Berg und TalÖsterreich

Der Geist der Zugspitze

Es gibt Berge, die beeindrucken. Und es gibt Berge, die Geschichten erzählen. Die Zugspitze kann beides mit Bravour. Wer mit der Tiroler Zugspitzbahn fast 3.000 Meter in die Höhe fährt, dem wird das mehr als eindrücklich bewusst. Doch zum 100-jährigen Jubiläum macht die Fahrt mit der „Himmelstürmerin“ vor allem eines klar: Das Faszinierendste ist nicht die Höhe oder die technische Finesse. Es ist der Geist, der hier seit einem Jahrhundert die Menschen bewegt.

Die Himmelsstürmerin

Ich sitze im Zugspitzsaal in Ehrwald zur Premiere des eigens zum 100-jährigen Jubiläum geschriebenen Theaterstücks „Sterntaler für die Zugspitze – Die Geburt der Himmelsstürmerin“, das die Geschichte der Tiroler Zugspitzbahn erzählt. Und noch bevor es richtig losgeht, bekomme ich schon Gänsehaut. Denn bereits die Eröffnungsrede von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle überrascht mit eindringlichen Worten. Er erinnert daran, dass Demokratie unser wertvollstes Gut ist und keineswegs selbstverständlich. Ein Gedanke, der den gesamten Abend begleitet. Denn die Geschichte der Tiroler Zugspitzbahn erzählt nicht nur von Pioniergeist und technischem Fortschritt, sondern auch davon, wie eng Freiheit, Mut und Menschlichkeit miteinander verbunden sind.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Visionär Dr. Hermann Stern. Der Rechtsanwalt und Vizebürgermeister von Reutte träumt Anfang der 1920er-Jahre von einem besseren Leben in der Region. Dies soll vor allem durch den Bau einer Seilbahn auf die Zugspitze erreicht werden – ein Vorhaben, das viele für unmöglich halten. Mit viel Tiefe und Feingefühl zeigt die Handlung auf, welche Steine ihm dabei in den Weg gelegt werden, wie politische Umbrüche und die Zeit des Nationalsozialismus sein Leben und das seiner Familie verändern und wie viel Menschlichkeit dennoch bestehen bleibt.

Regisseurin Claudia Lang-Forcher gelingt dabei etwas Außergewöhnliches. Gemeinsam mit einem Ensemble aus Laiendarstellerinnen und Laiendarstellern erschafft sie einen Theaterabend, der absolut professionell wirkt, emotional berührt und den Zuschauer weit über die Geschichte einer Seilbahn hinaus mitnimmt. Besonders gefällt mir, wie auch die Rolle der Frau herausgearbeitet wird. Ein weiterer spannender Kunstkniff ist die Figur des Berggeistes, der unabhängig von Zeit und Raum tänzerisch leicht über die Bühne schwebt und dabei einen interessanten Kontrast zur harten Realität darstellt. Wie eine unsichtbare Kraft flüstert er den Menschen Mut zu, symbolisiert Hoffnung und macht zugleich die Gewalt der Natur spürbar, die ihren eigenen Regeln folgt. Selten verlasse ich ein Theaterstück so in Gedanken versunken wie an diesem Abend.

Visionen kennen keine Generationen

Am nächsten Morgen begegnen wir den Menschen hinter der Geschichte. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Zugspitzbahn, Franz Dengg, Regisseurin Claudia Lang-Forcher, Museumskurator, Glaziologe und Astrofotograf Norbert Span sowie den Nachfahren Hermann Sterns entsteht ein Gespräch, das den Blick auf die Zugspitze noch mehr schärft. Immer wieder ist von der Verantwortung für die Region die Rede, von der Neugier und dem Mut, Verborgenes aufzudecken. Gerne erinnert man sich an alte Zeiten und richtet den Blick in die Zukunft.

Besonders die Nachfahren des Bahngründers faszinieren mich. Obwohl sie von ihren Eltern kaum etwas über ihren Vorfahren erfahren haben, leben sie noch heute das Erbe ihres Namensgebers weiter. Denn bis heute wird der Erstgeborene einer Generation nach dem einstigen Rechtsanwalt benannt. Bis heute sind Unternehmergeist, Humanität und Offenheit in der Familie verankert, die über die ganze Welt verstreut lebt und zum Teil sogar aus Amerika angereist ist, um das Jubiläum der Zugspitzbahn mitzufeiern. Dass die Familienmitglieder auch heute noch mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, macht deutlich, wie aktuell fast alle damaligen Themen geblieben sind. Und doch überwiegt heute etwas anderes: Offenheit, Vielfalt und Entdeckerfreude, die, genau wie einst den Vizebürgermeister, auch heute die Menschen rund um die Zugspitzbahn inspirieren.

Ein Berg, der Menschen verbindet

Von diesem Gedanken getragen, steige ich schließlich selbst in die Tiroler Zugspitzbahn. Innerhalb weniger Minuten bringt sie mich hinauf auf 2.962 Meter Höhe. Nahezu schwerelos gleiten wir durch den Nebel, hinweg über die atemberaubende Berglandschaft und schauen fasziniert hinunter ins Tal. Oben angekommen, scheint die Welt ein wenig stiller zu werden. Bei klarem Wetter reicht der Blick über vier Länder. Schroffe Gipfel ziehen sich bis zum Horizont und tief unten glitzern die Seen in der Sonne. Aber auch umgeben von weißen Schleiern und eisigen Atemwolken hält man inne und staunt.

Franz Dengg und Norbert Span führen uns durch das, anlässlich des Jubiläums neu gestaltete, Museum „Faszination Zugspitze“. Mit großer Leidenschaft berichten beide von der Geschichte der Bahn, den Veränderungen der Gletscher und davon, wie eng Natur, Wissenschaft und Technik hier miteinander verbunden sind. Dabei wird die Bergfahrt schnell zu einer kleinen Zeitreise, die deutlich macht, warum die Tiroler Zugspitzbahn weit mehr ist als ein technisches Meisterwerk. Bereits 1926 macht sie den höchsten Berg Deutschlands erstmals für viele Menschen erreichbar und schreibt damit Seilbahngeschichte. Hundert Jahre später ist sie nicht nur Wahrzeichen, sondern auch Motor einer ganzen Region.

Dass diese Haltung bis heute lebendig bleibt, ist nicht zuletzt den heutigen Eigentümerfamilien rund um Franz und Klaus Dengg zu verdanken. Sie verstehen sich nicht als Verwalter einer Tradition, sondern als deren Weiterentwickler. Moderne Ausstellungen, nachhaltige Investitionen und der Wunsch, auch künftigen Generationen einzigartige Bergerlebnisse zu ermöglichen, zeigen, dass hier weiterhin vorausgedacht wird.

Ob man es nun Unternehmergeist, Pioniergeist oder Abenteuergeist nennen mag – wer eine Weile auf der Zugspitze unterwegs ist, beginnt schon bald selbst daran zu glauben, dass hoch oben zwischen Felsen, Wolken und Himmel tatsächlich ein Geist über die Zugspitze wacht.

Eine Region voller Lieblingsorte

Als Star der Region ist die Zugspitze allerdings längst nicht der einzige Grund hierherzukommen. Rund um Ehrwald und Garmisch-Partenkirchen wartet eine Landschaft, in der jeder Tag anders aussehen kann. Kristallklares Wasser und pure Erfrischung versprechen Eibsee, Plansee, Heiterwanger See, Blindsee, Seebensee, Drachensee u. v. m. Weitere Höhepunkte wie Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof oder die Partnachklamm reihen sich dazu wie Perlen an einer wertvollen Kette.

Gerade die österreichische Seite mit der Tiroler Zugspitz Arena hat unbekannte Schönheiten zu bieten. Hier wird der Urlaub angenehm entspannt und gleichzeitig unglaublich abwechslungsreich. Zwischen Ehrwalder Alm, aussichtsreichen Wanderwegen, abwechslungsreichen Bike-Routen und idyllischen Bergdörfern zeigt sich eine Region, die ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat und dennoch seit Generationen mit touristischem Weitblick weiterentwickelt wird. Wahrscheinich ist genau das das Geheimnis ihres Erfolgs?

Als ich mich verabschiede und noch einmal auf die gewaltige Silhouette der Zugspitze zurückblicke, grüße ich den Berggeist und danke ihm dafür, dass er die Menschen hier dazu inspiriert, weiter zu denken – nicht nur bis zum nächsten Gipfel, sondern bis hinauf in den Himmel.

Zugspitz Resort Ehrwald – Urlaub für die ganze Familie

Direkt an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn gelegen, verbindet das Vier-Sterne-Superior-Zugspitz Resort Hotelkomfort mit einem der vielseitigsten Campingplätze der Alpen. Hotelgäste und Camper nutzen nahezu alle Einrichtungen gemeinsam – ein Konzept, das Familien, Aktivurlauber und Naturliebhaber gleichermaßen begeistert.

Highlights

  • Vier-Sterne-Superior-Hotel mit großzügigen Zimmern und Familiensuiten
  • 5-Sterne-Campingplatz mit modernen Stellplätzen und Chalets
  • Rund 1.500 m² große Indoor-Spiel- und Wasserwelt mit mehreren Erlebnisrutschen
  • 10.000 m² Gartenanlage mit Naturbadeteich, Spielplatz, Trampolinen und Tretkartbahn
  • Wellnessbereich für Erwachsene
  • Vielfältiges Aktivprogramm für Kinder und Erwachsene
  • Idealer Ausgangspunkt für Wander-, Bike- und Skitouren
  • Talstation der Tiroler Zugspitzbahn in wenigen Gehminuten erreichbar

Mein Tipp: Wer die Region intensiv erleben möchte, plant am besten mehrere Tage ein. Die Zugspitze ist das große Highlight – doch Seen, Berge, Wanderwege und die herzliche Tiroler Gastfreundschaft sorgen dafür, dass aus einem Ausflug schnell ein Urlaub wird.

copyrights: Zugspitz Resort, Ehrwald © Michael Huber, Huber Fotografie

Andrea
In die Welt verliebt. Dem Moment verfallen. Der Stille lauschend. Mit viel Gefühl schreibt sie über ihre Reisen, Erlebnisse und Sehnsuchtsorte.

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