„We Shall Overcome“, ein Kirchenlied, das Gewerkschaftsmitglieder im Jahr 1945 während eines Streiks gegen die American Tobacco Company sangen, wurde – in der Version von Pete Seeger – in den 1960er Jahren zu einer Hymne für die Bürgerrechtsbewegung. Joan Baez hat den Song 1963 beim Marsch auf Washington gemeinsam mit 300.000 Menschen gesungen. Und „We Shall Overcome“ erklang es aus rund 50.000 Kehlen bei der Beerdigung von Dr. Martin Luther King im Jahr 1968. Im Civil Rights Museum in Memphis wird die Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung lebendig und eindrucksvoll aufbereitet, angefangen mit der Zeit der Sklaverei bis hin zum Attentat auf Martin Luther King. Das Museum in der Mulberry Street ist um das Lorraine Motel herum gebaut worden, also dem Gebäude, in dem der wichtigste Vertreter des gewaltfreien Kampfes gegen Unterdrückung und Rassentrennung ermordet wurde.



Nur wenige Schritte davon entfernt, auf der Main Road, können Musikfans sich im Blues Hall of Fame Museum ein Bild von der Geschichte des Blues machen. Künstler wie Otis Redding und Isaac Hayes haben in ihrer Musik dem Schmerz und der Hoffnung Ausdruck verliehen. Auf der nahegelegenen Beale Street bietet sich schon ab dem Nachmittag die Gelegenheit, sich von den Klängen des Blues, Soul oder Rock’n’Roll treiben zu lassen: Aus offenen Fenstern und Türen der Bars tönen Gitarren und Drums, Straßenmusiker locken Publikum an und Open Air Bands buhlen um Gäste. Hier ist alles Musik! Der berühmteste Club ist wohl B.B. King’s Blues Club, vor dem stets eine Traube von Menschen darauf wartet, eingelassen zu werden. Der Blues, der einst in der Beale Street entstand, war eine politische Sprache der Unterdrückten: In den Songs ging es um Armut, Gewalt und den alltäglichen Überlebenskampf der afroamerikanischen Bevölkerung.






HOMMAGE FÜR DEN KING OF ROCK’N’ROLL
1952 gründete der Hobbymusiker Sam Philipps das Label Sun Records. Zuvor betrieb er ein Tonstudio, in dem Künstler wie B.B. King, Joe Hill Louis und Howlin’ Wolf ein und aus gingen. Im Jahr 1953 betrat ein bis dahin noch unbekannter Sänger namens Elvis Presley das Studio. Alles weitere ist Geschichte, die in einer 45-minütigen Studiotour lebendig wird. Im oberen Stockwerk des Gebäudes werden Instrumente und Fotos der Künstler gezeigt; unten im Aufnahmeraum, in dem die Geräte, Instrumente und das markante Mikrofon, das schon der King of Rock’n’Roll benutzt hat, zu sehen – und anzufassen! – sind, verspürt man Ehrfurcht. Nur rund zehn Autominuten vom Sun Studio entfernt liegt das Stax Museum of American Soul Music. Stax Records bot schwarzen Künstlern, die in ihrer Musik soziale Ungleichheit und Rassismus thematisierten, eine Plattform. Es war seinerzeit das dritte bedeutende Musiklabel für Soulmusik neben Motown in Detroit und Atlantic in New York. Hier gibt es mehr als 2.000 Exponate zu sehen – Instrumente, Bühnenoutfits, sogar das Auto von Otis Redding. Nachdem das Label Mitte der 1970er Jahre pleite ging, wurde an selber Stelle das Museum eingerichtet.




Natürlich ist Memphis DIE Stadt, um dem Leben und Schaffen von Elvis Presley näherzukommen. Im Diner Arcade pflegte der junge Elvis in der letzten Reihe zu sitzen und sein frittiertes Peanutbutter-Banana-Sandwich zu verzehren. Ein Besuch in Graceland, dem Haus, in dem Elvis Presley mit seiner Familie gelebt hat, und in dem er und seine Angehörigen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, ist nicht nur für eingefleischte Fans ein Erlebnis. Außer dem berühmten Wohnhaus mit den markanten Säulen sind auf dem riesigen Gelände auch mehrere Hallen mit Exponaten zu besichtigen – Elvis Autos, Elvis Bühnenkostüme, Elvis Flugzeuge.








WELTHAUPTSTADT DER COUNTRY MUSIK: NASHVILLE
Rund drei Autostunden nordöstlich von Memphis liegt Nashville, die Music City. Und anders als in Memphis haben in der Welthauptstadt der Country Musik vor allem weiße Musikerinnen und Musiker das Genre professionalisiert. Aber auch hier war Musik politisch: Der Nashville-Sound der 1960er Jahre vermied offene Kritik, aber zugleich entstanden Gegenbewegungen mit Künstlern wie Johnny Cash oder später Kris Kristofferson, die Themen wie soziale Ungleichheit und staatliche Gewalt behandelten, mit leiser, aber wirkungsvoller Rebellion.
Auf Nashvilles berühmtem Broadway reihen sich die Bars aneinander, laute Musik erschallt aus jedem Fenster. Die Stadt hat sich jüngst als Hotspot für alternative Musik etabliert, mit Labels, Studios und Clubs wie das Station Inn, das Bluebird Café, das Ryman Auditorium oder The Basement East und den Honky-Tonk-Bars auf dem Lower Broadway.



Seit dem Jahr 1925 wird die berühmte Radioshow allwöchentlich aus Nashville übertragen: Die Country-Musik-Konzerte der Grand Ole Opry sind längst Kult. Bevor die Show 1974 in eine neu erbaute Konzerthalle umzog, fand sie im Ryman Auditorium von 1892, in der Innenstadt von Nashville, statt. Diese historischen Mauern waren ursprünglich eine Kirche. Nach dem Umzug der Grand Ole Opry stand das Ryman für Jahre leer, erst 1994 wurde es wiedereröffnet. Heute treten hier wieder berühmte Country-Musiker auf. Mit seinem Museum ist das Ryman Auditorium einer der wichtigsten Touristenmagnete von Nashville.
Musikfans sollten sich auf keinen Fall den Besuch in der eindrucksvollen Country Music Hall of Fame und im Historic RCA Studio B, der zweiten musikalischen Heimat von Elvis Presley entgehen lassen. Das National Museum of African American Music dokumentiert die Wurzeln der schwarzen Musik.




CHATTANOOGA CHOO CHOO UND BLUEGRASS-SESSIONS
Wer kennt ihn nicht, den berühmten Song von Glenn Miller, Chattanooga Choo Choo, von 1941? Im ehemaligen Bahnhof von Chattanooga steht der längst ausrangierte rot-grüne Choo Choo, die Dampflok, zur Besichtigung bereit. Übernachten können Eisenbahnfans im Hotel Chalet at The Choo Choo – in einem echten alten Zugwagen! Und natürlich kann man auch das Railroad Museum besuchen und mit einer historischen Lokomotive fahren.




Berühmt ist die Stadt am Tennessee River auch für ihr Bluegrass Festival. Dieses Country-Genre ist stark beeinflusst von irischen und schottischen Balladen sowie Blues, Jazz und Gospel. Einmal pro Woche findet eine Bluegrass-Session in der Five Wits Brewing Company statt, der Eintritt ist frei. Hier bereiten sich die Musiker auf das Festival vor – ohne Bühne, ohne Verstärker. Mehr für sich selbst als für ein Publikum stehen rund 50 Musiker in mehreren Kreisen mit ihren Banjos, Gitarren und Kontrabässen und singen und musizieren voller Spielfreude. Randy Steele, preisgekrönter Banjo-Spieler und Songwriter aus Chattanooga erklärt: „Wir spielen den Scruggs-Stil auf unseren Banjos mit einer rollenden Fingerpicking-Technik.“



LOOKOUT MOUNTAIN, RUBY FALLS, ROCK CITY GARDENS
In nur rund 20 Autominuten erreicht man den Lookout Mountain und die Rock City Gardens, errichtet vor rund 100 Jahren von Frieda Carter und ihrem Mann. Mit großer Liebe zum Detail hat das Paar einen von europäischen Märchen und Legenden beeinflussten Fantasiegarten zum Leben erweckt. „Frieda, die deutsche Wurzeln hatte, ließ sogar Gartenzwerge einschiffen“, schildert Pepper Raper von Rock City Enterprises. Die Spaziertour führt durch Steinformationen und enge Felsspalten zu Aussichtspunkten, von denen aus sieben US-Staaten zu sehen sind. Die mystische Kulisse der Ruby Falls, des längsten unterirdischen Wasserfalls der Welt, wartet unter der Erde. 44 Meter stürzt das Wasser in der Tropfsteinhöhle hinab.


Wer in Tennessee unterwegs ist, darf einen Besuch in der Jack Daniel’s Distillery in Lynchburg nicht verpassen. Die Häuser in dem Ort mit ihren weißen Holzveranden und US-Fahnen wirken wie ein inszeniertes Bilderbuchamerika. Beim informativen Rundgang inklusive Fahrt mit dem Busshuttle über das riesige Gelände wird aufgezeigt, wie der berühmte Tennessee-Whiskey entsteht: Der frische Rohbrand wird langsam durch eine dicke Schicht aus einer Holzkohle aus Zuckerahorn gefiltert. So entwickelt sich eine weiche Süße von sanftem Charakter.




DOLLYWOOD – VERGNÜGUNGSPARK DER COUNTRY-IKONE DOLLY PARTON
Der Great Smoky Mountains National Park zählt zu den meistbesuchten Nationalparks der USA und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Imposante Gebirgszüge und dichte Wälder liegen im Dunst des Nebels. Hier, irgendwo im Nirgendwo, taucht plötzlich ein Hinweisschild auf, das auf den größten Themen- und Freizeitpark der Region hinweist: Dollywood nahe der kleinen Stadt Pidgeon Forge ist mit rund drei Millionen Gästen pro Jahr und etwa 4.000 Beschäftigten eine der beliebtesten Freizeitattraktionen im Staat Tennessee. Der Park bietet zehn Themenbereiche und Attraktionen wie die Achterbahnen aus Holz und aus Stahl. Achtung: Das Tempo ist mörderisch!


Die Country-Legende Dolly Parton, nach der der Park benannt ist, ist seit Mitte der 1980er Jahre als Investorin beteiligt. Der Künstlerin war es vor allem wichtig, die Kultur und Geschichte ihrer Heimat einem großen Publikum zugänglich zu machen und die Wirtschaft zu stärken. Auch das künstlerische Schaffen von Dolly Parton selbst wird in einer großen Halle anschaulich dargestellt. Hier finden sich neben Bühnenkostümen und Perücken auch die Beschreibung des Werdegangs der Country-Ikone und ihres musikalischen Schaffens.
Wer sich noch näher mit der Geschichte der Sängerin beschäftigten möchte, kann die Historic Walking Tour durch Sevierville, der Heimatstadt von Dolly Parton, unternehmen.
TENNESSEE: VON KONFLIKTEN BIS HOFFNUNG
Mehr als die sanften Hügel und nebligen Höhen von Tennessees Landschaft erzählt die Musik des Bundesstaates von gesellschaftlichen Konflikten, Hoffnungen und Machtverhältnissen. Bluegrass, Folk, Gospel, Blues, Jazz und Country künden vom harten Alltag und davon, ausgebeutet zu werden. Es war die Musik von Streikposten, Kirchen, Bergarbeitern und Gewerkschaftern – ein Ventil, das auch heute noch funktioniert: im Hip-Hop aus Memphis, der Polizeigewalt und strukturellen Rassismus thematisiert, oder im modernen, jungen Country, der sich offen zu LGBTQ-Rechten oder gegen Waffengewalt positioniert. Entwicklung wird stets von denjenigen angestoßen, deren Lebensbedingungen zu wünschen übrig lassen. Und eben nicht von der privilegierten Kaste. Meistens beginnt Veränderung mit leisen Tönen, die nach und nach immer lauter und eindringlicher werden, bis sie endlich Gehör finden. „We Shall Overcome.“
Unterkunft
In großen Städten wie Nashville oder Memphis liegen die Übernachtungspreise tendenziell höher als in kleineren Städten. Motels und Airbnb sind günstige Optionen, Doppelzimmer gibt es bereits ab US$ 50 pro Nacht.
Pigeon Forge: Perfekt für Dollywood-Besucher ist das Inn on the River. Die Hotelzimmer verfügen über private Balkone, Whirlpools im Zimmer und Kamine und bieten alle Annehmlichkeiten für einen erholsamen Aufenthalt. Das Hotel in Pigeon Forge bietet zudem kostenloses WLAN, ein Hallen- und Freibad sowie ein kostenloses Frühstücksbuffet (DZ ab US$ 120, www.myinnontheriver.com).
Chattanooga: Das Hotel Chalet am Choo Choo verbindet historischen Eisenbahncharme mit modernem Komfort. Viele Gäste schätzen besonders die einzigartigen Zimmer in restaurierten Pullman-Waggons (DZ ab US$ 240, www.thehotelchalet.com).
Chattanooga: Im Read House Hotel fühlt man sich in die 1920er-Jahre versetzt. Einige glauben, dass Zimmer 311 von dem Geist von Annalisa Netherly heimgesucht wird, die angeblich 1927 von einem eifersüchtigen Liebhaber in der Badewanne enthauptet wurde. Im Laufe der Jahre haben zahlreiche Gäste von paranormalen Ereignissen in diesem Zimmer berichtet (DZ ab US$ 120, www.thereadhousehotel.com).
Nashville: Das brandneue Drift Hotel hat seine Türen in East Nashville geöffnet! Es besticht durch modernes Design, komfortable Zimmer und einen praktischen Parkplatz direkt vor Ort – ideal für Reisende mit Auto. Doppelzimmer (DZ ab US$ 140, www.drifthotels.co/nashville).
Memhpis: Das Central Station Hotel liegt in einem historischen Bahnhof mitten in Memphis und vereint alten Charme und modernen Komfort. Hohe Decken, große Fenster, Marmorböden und originale Holzdetails lassen die Glanzzeit der Eisenbahn aufleben, während die Zimmer stilvoll modern eingerichtet sind. Die Zimmer verfügen über ein ausgeklügeltes Soundsystem, in der Lobby gibt es eine große Vinyl-Sammlung mit Memphis-Songs. Abends legt ein DJ auf, die Gäste genießen Drinks und die einzigartige Stimmung. Der Bahnhof ist übrigens weiterhin eine Station: Die tägliche Zugverbindung von New Orleans nach Memphis und die Straßenbahn-Linie Main Street Line hält hier (DZ ab US$ 150, centralstationmemphis.com).

Auskünfte
Fremdenverkehrsbüro Tennessee: www.tnvacation.com. Deep South USA: www.deep-south-usa.de. Viele größere Städte haben eigene Tourismusseiten wie Knoxville, www.visitknoxville.com; Chattanooga,www.visitchattanooga.com; Nashville, www.visitmusiccity.com; und Memphis, www.memphistravel.com
Reiseveranstalter
Canusa (www.canusa.de); USA-Reisen-Experte (www.usa-reisen-experte.de).






